Lügner

Kukelliki

Mundart-Rap

Nation Music

10/05



Keine leichte Kost serviert Sascha Rossier alias Lügner auf seinem Solo-Debut „Kukelikki“. Der anscheinend niemals erwachsen werdende Rapper ist immer auf der Flucht vor der Stilpolizei. Kein Wunder dass sie hinter ihm her sind, denn die hiphopende „Zürischnure“ ist angriffslustig, hinterhältig und immer darauf aus, seine Mitbürger verrückt zu machen und sie sogar in schwerwiegende Geisteskrankheit zu stürzen. Mit einer gehörigen Portion Sarkasmus und Ironie, wilden Scratches mit quietschendem Vinyl und unglaublichen, technischen Spielereien geht er gnadenlos auf die Gesellschaft los. Er ist nur deshalb so unausstehlich, weil er die aussergewöhnliche Fähigkeit hat, seine Mitmenschen unverfroren mit flotten Sprüchen, die abstrakt, sinnlos, und verworren sind, in den Wahnsinn zu treiben. Was nicht immer nur lustig und manchmal sogar regelrecht nervig wirkt. Ebenso die Zusammenschnitte von irgendwoher, Radio? TV?, die zwischen den gerappten Nummern zu hören sind, kommen teils witzig, schlagfertig und einfach genial daher, teils aber auch anstrengend, mühsam, und mehr nur lästiges Zubehör und Lückenfüller.

Musisch äussert sich die CD mit gleichmässigem Sprechgesang, eckigen, kantigen Beats, wagemutigen Hooklines, kreativen, technischen Einlagen und taktfesten Beats zwischen gesampeltem Sperrmüll und gemixtem Wirrwarr. Die witzigen Rhymes und vorlauten, unzensierten Wortspiele ergeben zwar wenig Sinn, sind aber humoristisch und überaus einfallsreich. Muss der vogelfreie Schwindler zum Beispiel seinen Pass erneuern, um über die Schneefallgrenze zu gehen, will Herbsttrompeten stimmen und hat Talentschuppen in den Haaren „wers glaubt wird selig“, und zum Schluss wird einem eigentlich Null und nichts klar.

Der Lügner, im Übrigen Mitglied von Paar@ohre, erschaffte die ganze LP mit ihren 16 Tracks mutterseelenallein. „Allei mache heisst nid allei si“ rappt er dazu im klassischen Zürislang. Von den Texten, über die Beats, den ganzen Aufnahmen bis hin zum Mischen, ja sogar die Videoclips, das Cover und die Website stellte er im Alleingang her. Dessen ungeachtet wurde er von der Stil-Polizei wegen mangelhaftem Taktgefühl verhaftet und da hilft nur noch „in jeder Lage lügen“ und hoffen, dass der „uusredalarm“ für einmal nicht funktioniert. (www.trespass.ch)

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