Jakob Stickelberger
Ds schönschte Lied
Lieder
Gold Records
11/05



«Wer ist die Pfarrerin im Münster?» fragte Jacob Stickelberger 1997 in einem Lied und löste damit eine Suchaktion aus. Die Medien wurden fündig... Die Pfarrerin heisst Katharina Hoby, ist fünffache Mutter, schöne Blondine und die Frau des Chefs der Zürcher Kulturabteilung des Stadtpräsidenten. Dieser Chanson und alle weiteren 25 Titel auf der Sammlung «Ds schönschte Lied» haben etwas gemeinsam: Es sind (fast immer) wahre Geschichten; annähernd jedenfalls.
Zur Zeit seines letzten Albums «Portrait» gab es allerdings noch kein Handy und keine Computer, Apparate nämlich, die das Leben nicht nur erleichtern. Oder Stickelberger machte sich seither tiefe Gedanken über die sprichwörtliche Fröhlichkeit der Richter oder über den philibusternden Onkel an Familienfesten, und er stirbt beinahe wegen eines Ärztebesuches, weil er so gesund ist. Und noch einmal stirbt er fast, weil er sich den traurigsten Film im Kino anschaut, den es überhaupt gibt. Ungefähr so hören sich seine 26 besten Lieder an, begleitet von den gleichermassen besten und professionellsten Musikern.
Stickelberger war Mitbegründer der Berner Troubadour. Jahrelang trat er mit Mani Matter auf. Bei beiden kommen sich Intellekt und Gefühl dauernd in die Quere. Deshalb weiss man nie so recht: Sind die Lieder jetzt lustig oder traurig? Wohl beides zugleich.

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