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Interview mit Aleksz

Die Basler Sängerin gibt Einblicke in ihren Karrierestart, ihre Vorlieben und in das Wesen ihres Ende 2003 veröffentlichten Soloalbums «Queen of cups».
SMN: Wer ist die «Queen of cups»?

Aleksz: Das ist eine Tarotkarte. Auf Deutsch heisst sie «Königin der Kelche».

SMN: Geht es nur um diese Karte oder hat «Queen of cups» eine weitere Bedeutung?

Aleksz: Das möchte ich nicht fest definieren. Es geht sowohl um die Karte als auch um die Symbolik, es könnte auch eine Person sein. Es ist überdies ein Teil von mir und von der Welt.

SMN: Was bedeutet die Karte?

Aleksz: Im positiven Sinn bedeutet sie Intuition. Sie ist eine Königin, welche die Verbindung zwischen Wasser und Erde herstellt. Sie steht auch für Musik, allgemein für die Künste. Der Beruf einer «Queen of cups» könnte Musikerin sein, aber auch Ärztin oder Heilerin. Also eine sehr emotionale Ebene.

SMN: Womit verdienst du dein Geld?

Aleksz: Eigentlich möchte ich irgendwann mein Geld hundertprozentig mit Musik verdienen. Mittelfristig muss es 50/50 sein. Momentan arbeite ich als Webdesignerin und Webprogrammiererin. Ich habe mit einer Kollegin eine Firma. Ich war früher Informatikerin.

SMN: Nach Jahren in verschiedenen Formationen, was hat dich dazu bewogen, auf Solopfaden zu wandeln?

Aleksz: Das ganze hat vor ungefähr drei Jahren angefangen. Damals war ich in einer persönlichen Krise, die mich fast dazu verleitet hätte, die Musik aufzugeben. Ich wurde dann aber immer wieder damit konfrontiert, dass ich Musik machen muss. Die meisten Songs auf «Queen of cups» sind vor circa drei Jahren entstanden, einige aus dieser Krise heraus. Langsam musste ich einen Weg finden, wie ich diese Songs in eine Form bringe. Sie drängten darauf, veröffentlicht zu werden. Diese Songs waren ein Geschenk. Das habe ich am Anfang aber nicht so gesehen. Es war mehr eine Last, die ich loswerden wollte. Irgendwie hat es sich aber lange so ergeben, auch aus finanziellen Gründen, dass ich nicht weitergekommen bin. Mein Bruder hat ein Studio in Basel. Dort hätte ich alle Möglichkeiten gehabt. Aus irgendwelchen Gründen haben wir es aber nicht geschafft, dass Produkt in einem professionellen Studio aufzunehmen. Ich wurde zudem immer wieder in Situationen gedrängt, in denen Musiker etwas mit mir machen wollten, dann aber wieder ausstiegen. Die Dinge waren oft sehr kompliziert. Trotzdem ging ich beständig weiter meinen Weg, bis es schlussendlich ein Soloalbum wurde. Auch, weil ich nicht mehr auf die anderen Leute warten wollte.

SMN: Die Songs klingen introvertiert, teilweise melancholisch. Hat das mit der Krise damals zu tun, oder ist das ein Teil deiner Persönlichkeit?

Aleksz: Ich würde mich nicht als melancholisch bezeichnen, eher als ein ruhiger Mensch. Ich kann aber auch sehr fröhlich sein. Ein extrovertierter Mensch bin ich aber auch nicht. Ich würde mich als extrovertierte Introvertierte bezeichnen (lacht). Ich habe übrigens nicht das Gefühl, dass meine Lieder melancholisch klingen. Es sind Situationen, die viele schon erlebt haben.

SMN: Was inspiriert dich, Songs zu schreiben?

Aleksz: Letztendlich bloss die Beschäftigung mit meinen Leben und mir selber. Das Betrachten, was passiert innerlich oder auch äusserlich mit mir. Es ist ein Drang oder Wunsch mich der Welt mitzuteilen.

SMN: Bist du in deinen Texten absolut offen oder gibt es eine Grenze?

Aleksz: Wahrscheinlich versteht man nicht das allerletzte Detail. Anders gesagt: Vielleicht wird man nicht das gleiche Bild sehen, das ich sehe, aber das ist gar nicht wichtig. Jeder Mensch hat seine eigene Wahrheit. Wenn ich blau sehe, sehe ich möglicherweise ein anderes blau als du, trotzdem sehen wir beide ein blau. In meinen Texten geht es mehr um ein Gefühl und um Puzzlebilder, die man sich anhand der Wörter zusammenreimen kann. Das ist die Wahrheit für jeden einzelnen. Wer sich von meinen Songs angesprochen fühlt, dem ist etwas Gutes widerfahren. Wer sich nicht angesprochen fühlt, wird sich auch nicht näher mit den Texten befassen und es ist dann auch sinnlos, dass so eine Person etwa versteht.

SMN: Hast du auf «Queen of cups» ein Lied, das dir besonders ans Herz gewachsen ist?

Aleksz: Das wechselt, momentan ist es das Titelstück, thematisch gesehen das zentrale Lied. Und es ist auch musikalisch am Stärksten ausgearbeitet. Ich bin stolz darauf und begeistert von den Ideen, die ich hatte, obwohl ich mich nicht mehr daran erinnern kann, dass ich sie hatte (lacht).

SMN: Neben Violinen- hattest Du auch E-Bass-Unterricht. Wie bist du dazu gekommen? Es gibt ja nicht so viele Bassistinnen.

Aleksz: Ich finde es schade, dass nur wenige Frauen ein Instrument spielen. Aber zu deiner Frage: Ich bin durch puren Zufall zum Bassspielen gekommen. Als ich 18 Jahre alt war, ging ich mit meinem Bruder Csaba in ein Brockenhaus, um Instrumente zu kaufen. Wir erstanden eine Gitarre und einen Bass für 150 Franken. Ich hab den Bass bekommen. Ich habe es mir aber nicht ausgesucht. Bezahlt hab ich aber trotzdem dafür. Das ist ja normal als ältere Schwester (lacht). Dann hab ich jemanden kennen gelernt, der Bass spielt und mir Unterricht gab. Bass spiele ich auch heute noch sehr gerne. Eigentlich war das eine Schicksalsfügung, weil Bass ein Kontrapunkt zu meinem Gesang setzt. Mittlerweile singe ich sehr oft in hohen Lagen. Der Bass erdet mich. Er hält mich am Boden, während der Gesang mich fortträgt.

SMN: Du hast Bass in einer Band namens The Hämmorhoids gespielt. Was habt ihr für Musik gespielt?

Aleksz: Damals (1992 bis 1997) hatten wir eine Funkband mit dem Namen Funcameleon. Die Hämmorhoids waren ein Ableger davon, bei der es bloss um Spass ging. Wir haben unseren Stil Holzfäller-Funk genannt. Es war wirklich eine Experimentalband, die nicht sehr lange existierte. Eigentlich müsste man das gar nicht erwähnen.

SMN: Wann hast du eigentlich gemerkt, dass du singen kannst?

Aleksz: Von 10 bis 15 habe klassischen Violinenunterricht genossen. Damals hat mich meine Lehrerin immer dazu animiert, die Etüden zuerst zu singen bevor ich sie spiele. Sie hat immer gesagt: Sing, sing, sing, du hast eine schöne Stimme. Ich wollte aber gar nicht singen, weil ich dachte, dass ich es nicht kann. Zuhause habe ich immer Aufnahmen mit Kassetten gemacht, die auch meine Stimme enthielten. 1990, als ich 24 Jahre alt war, hat mein Bruder ein Tonstudio eröffnet. Er hat zudem ein Label ins Leben gerufen. Dafür brauchte er ein Produkt. Er hat mich überredet, ein paar meiner Songs bei ihm unter dem Namen Odd aufzunehmen. Ich habe bei ihm meine erste CD aufgenommen, ohne Hintergedanken. Da drauf habe ich zum ersten Mal wirklich seriös gesungen. Trotzdem ging es noch sehr lange bis mir klar wurde, dass ich berufsmässig Musik machen wollte.

SMN: Wie waren die Reaktionen auf diese CD?

Aleksz: Sie lief sehr gut in meinem Bekanntenkreis. Es gab sogar eine Plattenfirma, die Interesse daran gehabt hätte. Ich stand damals aber voll im Berufsleben, deswegen hatte ich kein Interesse etwas zu machen. Diese CD war aber auch der Ausschlag, dass ich Funcameleon ins Leben gerufen habe, mit denen wir auch eine CD veröffentlichten.

SMN: Welche Sängerinnen inspirieren dich?

Aleksz: Stevie Wonder ist für mich der grösste Knüller. Ich habe sehr viel zu seinen Platten gesungen. Dann kam Al Jarreau. Und erst später kamen Frauen dazu, im speziellen Sara Vaughan. Sie hat sehr schöne Sachen gesungen. Sie hat ihre Stimme gepflegt. Sie hatte eine ästhetische Stimme. Billie Holiday hat nur ihren Schmerz rausgesungen. In erster Linie möchte ich Musik machen, die nicht weh tut. Sie soll berühren aber einem nicht die Luft abschnüren. Sara Vaughan ist erst später dazu gekommen, als ich eine gewisse Reife erlangt hatte. Als Teenager wird sie einem kaum gefallen.

SMN: Welche Momente, Begegnungen oder Gruppen waren in der Vergangenheit für deine Entwicklung wichtig.

Aleksz: Funcameleon waren wichtig. Ich habe viel Zeit in diese Band investiert. Sie hat mir dabei geholfen, mich in einem geschützten Rahmen weiterzuentwickeln. Mein erstes grosses Erlebnis war, als wir Vorband von Maceo Parker ins Liestal waren. Der Saal war voll mit circa 400 Leuten. Ich sah die Masse und füllte mich absolut super. Maceo Parker hat uns ein Kompliment gemacht. Ein weiterer wichtiger Moment war am Jazzfestival in Zollikon. Dort bin ich mit einer Big-Band aufgetreten. Ich als Sängerin der Big-Band habe einen Spezialpreis erhalten. In der Jury sassen Pepe Lienhard, Hazy Osterwald und George Gruntz. Das hat mich natürlich geehrt.

SMN: Was hast du für Ziele mit der CD?

Aleksz: Aleksz ist ein Teil von mir, die Popschiene. Sonst arbeite ich noch an anderen Sachen. «Queen Of Cups» ist sehr wichtig für mich als Türöffner. Endlich bin ich rausgegangen und habe etwas ins Rollen gebracht, nur für mich. Nicht für die Presse oder das Fernsehen. Darum geht es mir nicht. Das Album ist ein Anfang. Ich habe noch viel mehr Projekte im Kopf, die in andere Richtungen gehen. Mein Ziel ist es, von der Musik leben zu können. Was mit dieser CD passiert, ich weiss es nicht? Wenn es den Leuten gefällt, bin ich sehr froh.

SMN: An welchen anderen Projekten arbeitest du sonst noch?

Aleksz: Momentan arbeite ich an Meditationsmusik. Ich meditiere selber. Ich will versuchen, ob ich Musik schreiben kann zu der Leute und ich meditieren können. Dann habe ich viele Kompositionen, die rein instrumental sind. Was ich damit mache, weiss ich noch nicht. Filmmusik würde mich interessieren.

Interview Robert Pally

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