Berner Musikpreis 2008 für Polos Lebenswerk

Weitere Auszeichnungen für Musik

(SMN) Die kantonale Musikkommission ehrt Polo Hofer, den «Erfinder und die Vaterfigur des Berner Mundartrock», für sein Lebenswerk. Der Musikpreis ist mit 20'000 Franken dotiert. Dank Polo Hofer und seinen Mitstreitern besitze der Kanton Bern heute mit dem Berner Rock und artverwandter Musik einen reichen und wirtschaftlich wichtigen Kulturzweig. Etliche der 350 von Polo Hofer getexteten und gesungenen Lieder sind längst zur Volksmusik geworden. Die Vergabe fand Anfang November 2008 in der Berner Dampfzentrale statt – gleichzeitig wurden dort Preise für Filme, für Filmmusik und weitere Musikschaffende vergeben.

Polo, der an dem Abend selbst auftrat, wird in Zukunft nur noch selten live zu erleben sein. Bis im Februar 2009 soll noch ein Album erscheinen, dann wolle er nicht mehr so oft auf der Bühne stehen, sagte der Mundartsänger im «Tagesgespräch» von Schweizer Radio DRS Anfang November 2008. Der 63-Jährige will sich unter anderem vermehrt dem Schreiben widmen. Entstehen sollen Kurzgeschichten, die sich «vielleicht einmal zu einem Roman zusammenfügen». Ihm schwebe eine Art Schlüsselroman vor, der mit der «Hippie-Zeit» im Berner Oberland zu tun hat. Die Entscheidung beinflusst dürften Polos Stimmprobleme haben.

In der Laudatio hielt sam Mumenthaler fest: "Die Rockmusik fristet in der schweizerischen Kulturpolitik nach wie vor ein Mauerblümchendasein. Sie hat, anders als zum Beispiel der Schweizer Film, keine eigentliche Lobby, die sich für sie an höchster Stelle einsetzt. Das könnte man als schlechte Nachricht verstehen. Der gute Teil dieser schlechten Nachricht aber ist, dass die erfolgreichsten Berner Rocker auch ohne staatliche Zuschüsse überleben können – damit gehören sie zu einer verhältnismässig kleinen Schar von unabhängigen Schweizer Kulturschaffenden. Auch den Musikpreis der Musikkommission des Kantons Bern hat bisher kein Berner Rocker erhalten, wenn man von einigen Anerkennungsbatzen absieht."

Und zum Geehrten: "Polo war rasender Reporter, Trendforscher, Politprovokateur und Sexberater in Personalunion – er hat das, was man bei gewissen Politikern den «Killerinstinkt» nennt. Man kann auch sagen: Er tanzte auf allen Hochzeiten. Er selber sieht sich am liebsten in der Rolle des Hofnarren. In der Rolle von einem, der stets etwas abseitssteht und nirgends dazugehören will und muss, den man vielleicht manchmal belächelt, wenn man nicht gerade über seine Witze lacht, der den andern auf die Füsse stehen kann, ohne dass es wirklich wehtut. Das Wichtigste in seiner Rolle als Narr aber ist für Polo Hofer die Freiheit – und sei es einfach die Narrenfreiheit."

Weitere Auszeichnungen

Einen Anerkennungspreis von 5'000 Franken ging an die Klangkünstlerin und Vokalperformerin Franziska Baumann aus Spiegel bei Bern. Aus Natur- und Körperklängen und ihrer Stimme schafft die Künstlerin eigene Klanggebilde, die sie in ihren Raumklangprojekten allein oder mit Mitmusikern im Innen- oder Aussenraum inszeniert. Ihre Klangwelt verschmilzt akustische und elektronische Elemente von improvisierter und komponierter Musik zu sinnlich erlebbaren Klangräumen, die mit Erfolg ein verändertes Hören und Raumerleben hervorrufen. (www.franziskabaumann.ch)

Das Ensemble vocal d'Erguël wird ebenfalls mit einem Anerkennungspreis von 5'000 Franken geehrt. Unter dem versierten Leiter Philippe Krüttli überzeugt der Chor aus St-Imier durch seine grosse Offenheit und Risikofreude. Engagiert und dynamisch vermittelt er klassische Chorkunst ebenso wie zeitgenössische Werke und überrascht manchmal durch Auftritte an unerwarteten Orten, vor ungewohntem Publikum und viele künstlerische Partnerschaften. Das Ensemble vocal d'Erguël prägt die Musikkultur im Berner Jura und im Jurabogen stark mit. www.everguel.ch

Der dritte Anerkennungspreis von 5'000 Franken geht an die Violinistin Patricia Kopatchinskaja aus Bern. Die in Moldavien geborene Musikerin hat sich international erfolgreich etabliert als Solistin von klassischen und zeitgenössischen Werken in führenden Orchestern, Konzertsälen und an wichtigen Festspielen. Nicht nur als exzellente Violinistin erregt sie dabei viel Aufsehen, sondern auch durch ihre Art, den traditionellen Konzertbetrieb als instinktsichere Interpretatorin und Improvisatorin eigenwillig, lustvoll und publikumswirksam zu sprengen. www.patkop.ch

Als Coup de coeur 2008 mit einer Auftrittsgage von 2'000 Franken hat die Musikkommission die junge Sängerin und Komponistin Elina Duni aus Bern ausgewählt. Der in Albanien geborenen Musikerin gelingt die Verschmelzung von albanischer Volksmusik, Jazz und Chansonkultur zu einer starken Musik, die gleichzeitig sinnlich, emotional, magisch und unangestrengt wirkt. An der Preisverleihung wird Elina Duni mit Colin Vallon am Piano auftreten. www.elinaduni.com

 

 
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